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Die Klimakrise global erzählt
 
 
 
 
Liebe Leserin,
lieber Leser,

auf einem Markt für Feuerholz in der Stadt Maiduguri im Nordosten Nigerias habe ich vor drei Jahren Mohammed Haruna kennengelernt. Er arbeitete früher bei einer Bank, dann begannen Gruppen der Boko Haram, die Region zu terrorisieren. Die Wirtschaft krachte zusammen, Haruna verlor seinen Job und seine Kinder ihren Platz in der Privatschule, weil der Vater sie nicht mehr bezahlen konnte. Um die Familie irgendwie über Wasser zu halten, sammelte und verkaufte Haruna damals Feuerholz.

Harunas Leben wurde nicht nur vom Krieg, sondern auch vom Klimawandel geprägt. Der sei ein Grund, warum er überhaupt in Maiduguri sei, erzählte er damals. Seine Verwandten und er lebten von der Landwirtschaft – doch es wurde immer heißer, die Felder gaben immer weniger her, viele von ihnen zogen in Städte oder weiter in den Süden, wo es grüner war. So kam er nach Maiduguri.

Klima und Krieg. Der Zusammenhang zwischen diesen beiden ist meist nicht direkt, kaum je ist der Klimawandel tatsächlich ein Auslöser von Krieg gewesen. Das bestätigt der IPCC in seinem neuen Sachstandsbericht, für den hunderte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zehntausende Studien zusammentrugen und evaluierten. Und doch: Der Klimawandel habe zu einer größeren Verwundbarkeit in Konfliktgebieten geführt, weil er Menschen vertreibe und zu unfreiwilliger Migration zwinge, steht gleich danach in dem zweiten Teilbericht.

Mohammed Harunas Geschichte zeigt auch die umgekehrte Entwicklung, also wie der Krieg die Klimakrise verschlimmert und die Natur zerstört. Er habe das jedes Mal gesehen, wenn er mit in die Steppe hinausfuhr, um Feuerholz zu schlagen, erzählte Haruna. Es blieben immer weniger Bäume zurück, die Wüste dehne sich immer schneller aus. Heute, schreibt er mir auf Facebook Messenger, habe sich die Situation verbessert: Es gebe weniger Attacken von Terrorgruppen und es sei einfacher, die noch verbleibenden Sträucher und Bäume stehenzulassen und andere Arbeit zu suchen. Die Regierung strenge sich an, die Wüste aufzuhalten, schreibt er.

Je stabiler eine Region, desto stärker sei auch ihre Widerstandsfähigkeit, mit den verschiedenen Folgen der Klimakrise umzugehen, erklärt uns der IPCC. Davon handelt auch der Text, den wir diesen Monat für Sie übersetzt und adaptiert haben. Die Journalistin Eman Mounir nimmt uns mit nach Syrien und in den Irak.

Danach geht es weiter in die Arktis, dann nach Uganda und Tansania und zum Abschluss nach Australien. Es geht um die Rolle der Inuit in der Wissenschaft, um ein gigantisches Erdölprojekt und um einen Milliardär, der zum Aktivismus gefunden hat.

Einen schönen Tag wünscht Ihnen, 
Alicia Prager
 
 
 
 
IRAK & SYRIEN
 
 
 
 
Erst der IS, dann die Dürre

In Bagdad wurden vergangenes Jahr 52 Grad gemessen, ein Rekordhitzewert in der Hauptstadt des Iraks. Mit den kletternden Temperaturen wird auch das Wasser immer knapper. Studien sagen voraus, dass die Niederschläge im Irak bis 2050 um ein Viertel zurückgehen werden – das wird die Wüstenbildung weiter verschlimmern.

In dem Text, den wir diesen Monat für Sie adaptiert haben, beschreibt die Journalistin Eman Mounir, wie in Syrien und im Irak gerade jene, die vor dem Krieg fliehen mussten, jetzt am allermeisten von diesen Entwicklungen getroffen werden. "Alles, was wir anpflanzen, stirbt”, zitiert sie einen Landwirt, der seine Tiere verkauft hat, um in der nächsten Stadt nach einer anderen Arbeit zu suchen, die seine Familie ernähren kann.

Emans Text zeigt: In Staaten, die wenig Sicherheit bieten, führen Klimaauswirkungen noch eher zu Katastrophen und befeuern im schlimmsten Fall bestehende Konflikte. In Staaten, die geschwächt sind, deren Bevölkerung Gewalt erlebt, ist es schwierig, auch noch der Klimakrise etwas entgegenzusetzen. Gleichzeitig macht der Text aber deutlich: Es ist nie nur ein Phänomen, nie nur ein Extremwetterereignis, nie nur politisches Versagen. Es geht um die Zusammenhänge all dieser Aspekte. Darin liegt vielleicht auch die Chance, denn Text zeigt auch: Wir sind handlungsfähig, egal wie sehr die Klimakrise eskaliert. Wie Eman die Situation beschreibt, können Sie im aktuellem DATUM oder online hier lesen.

Im Original wurde der Text im ägyptischen Medium Arab Lite und von der Klimajournalismus-Organisation Climate Tracker veröffentlicht.
 
 
 
 
     
   
     
Über die Autorin

Eman Mounir ist Investigativjournalistin in Ägypten. Sie arbeitet vor allem zu Feminismus, Klima- und sozialer Gerechtigkeit in der Region. Aktuell schreibt sie eine Reihe von Texten zu Auswirkungen der Klimakrise in arabischen Ländern.

“Ich bin in einem kleinen Dorf am Ufer des Nildeltas aufgewachsen und sehe, wie Frauen hier die Hauptlast des Klimawandels tragen. Ich habe auch gesehen, wie die Bauern unter der Wasserkrise leiden und wie ihre Familien dafür bezahlen. Doch die Auswirkungen des Klimawandels werden häufig als Nebensache betrachtet. Umso mehr, wenn Politiker und Machthaber mit Krieg und Konflikten beschäftigt sind, wie zum Beispiel in Syrien und dem Irak. Sie haben kein Interesse daran, sich mit dem Thema zu befassen. Deshalb habe ich beschlossen, von jetzt an über den Klimawandel, die Wasserknappheit und die Wüstenbildung zu schreiben.”
 
 
 
 
ARKTIS
 
 
 
 
 
Zeit für Nachrichten

Diese eindrucksvolle Visualisierung der NASA zeigt die Temperaturentwicklung der Erde entlang der Breitengrade in den vergangenen 141 Jahren und macht deutlich: Die Temperaturentwicklung ist je nach Region sehr unterschiedlich. In der Arktis schreitet die Erhitzung bis zu vier Mal schneller voran als im Rest der Welt.

Gerade die Menschen, die im höchsten Norden leben, spüren ihre Auswirkungen. Auf Inuktitut, einer der am weitest verbreiteten Sprache der Inuit im nördlichen Kanada, bedeutet das Wort für November, Tusaqtuut, “Zeit, um die Nachrichten zu hören”. Denn dann friert das Wasser so weit, dass sich Familien und Freunde auf Baffin Island wieder besuchen können. Das war immer so – bis vergangenes Jahr. Noch Mitte November war keine Spur von der dicken Eisschicht. Die Erfahrungen der Inuit, wie sich ihr Zuhause verändert, bekommen auch in der Wissenschaft immer mehr Aufmerksamkeit. Eine mitreißende Multimedia-Geschichte von Danielle Bochove für Bloomberg.
 
 
 
 
UGANDA & TANSANIA
 
 
 
 
Neues Erdöl

Während der IPCC mahnt, die Förderung und Nutzung fossiler Brennstoffe müsse so schnell wie möglich stark reduziert werden, damit auch nur ein Hauch einer Chance besteht, die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu limitieren, geht die Suche nach fossilen Brennstoffen weiter. In unserer ersten Ausgabe erzählten wir die Geschichte von Fischerinnen in Südafrika, die ein Offshore-Projekt von Shell auf Eis legten. 

Heute empfehlen wir diesen Text über ein Vorhaben in Uganda und Tansania. Dort wollen der französische Konzern Total und der chinesische Konzern CNOOC viele neue Ölbohrungen durchführen und in der weltweit längsten beheizten Pipeline bis an die Küste Tansanias schleusen. Von dort soll das Erdöl dann in alle Welt verkauft werden. 

Uganda und Tansania versprechen sich davon wirtschaftliches Wachstum, Kritiker verweisen auf immense Umweltzerstörung und hohe Treibhausgasemissionen, die freigesetzt würden. Dazu zitiert der Journalist Tonderayi Mukeredzi in seinem Text für China Dialogue den Energieanalysten Simon Nicholas, der sagt: “Afrikanische Länder, die von fossilen Brennstoffen abhängig sind, entwickeln sich wirtschaftlich langsamer als jene Länder, die es nicht sind.” Die Hoffnung auf Einkommen und Jobs würde von großen Ölprojekten stets enttäuscht. Mehr hier.
 
 
 
 
AUSTRALIEN
 
 
 
                                                  

Milliardenschwerer Aktivist

Hundert Firmen sind verantwortlich für 70 Prozent der globalen Emissionen, so eine Studie aus dem Jahr 2017. Sie wird seither häufig zitiert, wenn es darum geht, dass es in erster Linie ein paar wenige Konzerne sind, die die Welt zerstören. Grundsätzlich stimmt das auch, aber ganz exakt ist das Bild nicht. Denn diese Prozentzahl beinhaltet auch sogenannte “Scope 3”-Emissionen – also Emissionen, die von den Kundinnen und Kunden der Firmen verursacht werden. Und weil diese hundert Firmen vor allem fossile Brennstoffe verkaufen, bedeutet diese Statistik einfach: Wir müssen so schnell wie möglich aufhören, Erdöl, Erdgas und Kohle zu verbrennen.

Ein Milliardär in Australien wollte diesen Schritt beschleunigen und beschloss kurzerhand, jene australische Firma aufkaufen, die für den größten Teil der Emissionen des Landes verantwortlich ist: AGL Energy. Mehr über das Vorhaben von Mike Cannon-Brookes erfahren Sie hier.
 
 
 
 
ZAHL DES MONATS
 
 
 
 
 
Nie gab es einen schnelleren Anstieg des Methangehalts in unserer Atmosphäre als im vergangenen Jahr: Er ist um 17 ppb (parts per billion) gestiegen. Ein gefährlicher Rekord und Trend, denn Methan steht völlig zu Unrecht häufig im Schatten von Kohlenstoffdioxid. 

Das Treibhausgas bleibt zwar nur etwa zwölf Jahre in der Atmosphäre, dafür erhitzt es die Erde über eine Zeitspanne von 100 Jahren rund 25 Mal stärker als CO2. Über 20 Jahre gemessen, ist der Effekt sogar etwa 80 Mal höher. Ein schneller Schnitt der Methanemissionen wäre entscheidend. Die neuen Zahlen zeigen aber, dass derzeit genau das Gegenteil passiert und immer mehr Methan freigesetzt wird – unter anderem bei der Verarbeitung und beim Transport von Erdöl und Erdgas sowie in der Landwirtschaft.

Haben Sie Anregungen oder Kritik? Wir freuen uns auf Ihr Feedback unter breitengrade@datum.at!

Ihre
Clara Porák und Alicia Prager
Clara und Alicia
 
 
 
 
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